Naturgesetz als Kunst-Regel
Musik als Weltentwurf: Der Freidenker Roderic von Bennigsen veranstaltet auf seinem Gut ein exquisites Klassik-Festival

Roderic von Bennigsen ist Cellist und Dirigent, Schauspieler und Philosoph, politischer Denker und Dichter. Die Presse von Hannover bis Paris feiert ihn als einen "der originellsten Festivalintendanten". 1995 gründete er auf seinem Gut die internationalen Sommerfestspiele.

Namhafte Orchester, Solisten und Philosophen waren zu Gast. Die Programme gestaltet Bennigsen selbst - nicht nach dem Mainstream-Muster anderer Sommerfestspiele. Der Initiator braucht keinen Computer, um sein Künstler-Netzwerk zu spannen - er schreibt persönlich. Mit der Feder.

Er hat die Scheune des Rittergutes zum Konzertsaal umgebaut und akustisch optimierte Holzvertäfelungen installieren lassen. Für das alljährliche Festival lädt er die großen Orchester der Welt ein: die London Royal Philharmonic oder die Moskauer Philharmoniker. Dann zieht sich Roderic von Bennigsen den Frack an und dirigiert: leidenschaftlich mit vollem Körpereinsatz. "Die Russen sind ein bisschen heavy in the hand. Man braucht mehr Temperament, um sie zu überzeugen", sagt er. Und dann erklärt der Hausherr noch einmal die Regeln seines Reiches: "Es gibt keine Regeln. Nur Naturgesetze. Ich will hier keine Kompromisse - ich will, dass meine künstlerischen Ideale umgesetzt werden."

Auszug aus: Moritz Krull, Welt am Sonntag, 29.06.2003


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